Das Päckchen
Dezember 19th, 2011
Eigentlich konnte man nicht sagen, dass sie es von langer Hand geplant hatte. Es war eher ein kurzer Gedanken, ein Wunsch und Traum zugleich. Genau genommen hatte sie es im Internet gefunden, als sie auf der Suche nach etwas war, das all ihre Gelüste mit einem Streich stillen würde. Menschen die nicht IT-affin waren, hätten es in einem Laden erstanden, aus dem sie dann mit unauffällig braunen Plastiktüten und gesenktem Blick wieder in den Abend entschlüpften.
Dank heutiger logistischer Möglichkeiten kam das Päckchen schon einen Tag später bei ihr an und sie nahm es – obwohl sie allein war – auf leisen Sohlen mit in ihr Zimmer. Sie hatte sich geschworen dieses eine Mal in ihrem Leben mutig zu sein und ihre Wünsche zu äußern und auch durchzusetzen. Sie war sich ihrer Sache sicher, dass sie ihn zwar überrumpeln würde, er sie aber dennoch nicht abweisen würde. Seit sie mit ihm zusammen gezogen war, wollte sie mehr von ihm als nur das alltägliche Grüßen und Plaudern. Auch wenn sie nur eine einfache Wohngemeinschaft bildeten, fühlte sie doch, dass etwas sie verband. Der Blick, den sie manchmal von ihm empfing, ließ ihr Herz hüpfen und nicht nur das. Auch andere Wünsche regten sich plötzlich in ihr. Sie wollte begehren und begehrt werden.
Mit bebendem Herzen öffnete sie das Päckchen und nahm das Erworbene heraus und schaute auf die Uhr … es war erst 16 Uhr, sie würde sich noch eine zeitlang gedulden müssen bis er nach Hause kam. Nichtsahnend von ihren schelmischen und frivol-verdorbenen Gedanken.
Eine Stunde später hörte sie die Wohnungstür und gleich darauf sein fröhliches und unbeschwertes “Hallo, ich bin’s!”
Wie jeden Tag kochte er eine Kleinigkeit und fragte sie wie immer, ob sie ihm Gesellschaft leisten wollte, doch dieses mal lehnte sie ab, denn sie musste sich vorbereiten. Alles musste perfekt sein, nichts durfte schief gehen oder dem Zufall überlassen werden. Duschen, ölen, Unterwäsche, dezentes Parfum und dann … ihr Päckcheninhalt.
Gegen 21 Uhr ging er in sein Zimmer, sie hörte ihn noch eine kleine Weile am Schreibtisch sitzen und für seinen nächsten Arbeitstag einige Dinge erledigen. Dann – wie jeden Abend – hörte sie die Musik, die er immer zum Einschlafen laufen ließ. Leichter, stimmungsvoller Jazz der beruhigend und doch in gewisser Weise auch anziehend auf sie wirkte. Das war ihr Stichwort.
Ganz leise verließ sie ihr Zimmer, schlich an seine Zimmertür und drückte langsam die Klinke nach unten. Vorsichtig steckte sie ihren Kopf durch den Türspalt und schaute in sein überraschtes und fragendes Gesicht. Bevor er reagieren konnte, trat sie ein, so dass er sie vollends sehen konnte und sagte mit einer Stimme die keinen Widerspruch zuließ: “Hallo George, du hast da was spannendes mit dem ich spielen möchte … und ich habe hier … Schokolade … lass uns zusammen Spaß haben!”





